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Artikel vom 26.03.2020 | Hanno Stangier Zivilrecht Coronavirus infiziert Justiz! Artikel vom 25.03.2020 | Hanno Stangier Arbeitsrecht Berechnung von Kurzarbeitergeld- Tabelle der Agentur für Arbeit Stand Januar 2020 Artikel vom 24.03.2020 | Ralf Regel Arbeitsrecht CORONAVIRUS – "Arbeit-von-morgen-Gesetz": Erleichterte Voraussetzungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld Artikel vom 12.03.2020 | Ralf Regel Immobilienrecht, Mietrecht Vertragsschluss durch Stromentnahme: Vertragspartner ist der Mieter – nicht der Vermieter! Artikel vom 28.01.2020 | Johannes Grote Familienrecht Neue Düsseldorfer Tabelle ab 01.01.2020, aber nicht immer mehr Unterhalt Artikel vom 27.12.2019 | Maike Kogeler Baurecht, Unternehmensrecht Meisterpflicht und Schwarzarbeit – ein kurzer Überblick Artikel vom 13.12.2019 | Johannes Grote Bau- und Architektenrecht Zur Anwendbarkeit von nationalen Regelungen durch nationale Gerichte, nachdem der EuGH diese Regelungen für unionswidrig erklärt hat, eine entsprechende Gesetzesänderung aber noch nicht erfolgte Artikel vom 28.10.2019 | Dr. Michael Borchard Familienrecht Hortkosten sind regelmäßig als berufsbedingte Aufwendungen einzustufen und stellen daher keinen Mehrbedarf dar – Zur Entscheidung des AG Pforzheim vom 22.02.2019 Artikel vom 24.10.2019 | Maike Kogeler Bau- und Architektenrecht Nachtragsvergütung beim VOB/B Bauvertrag: Paukenschlag aus Karlsruhe Artikel vom 15.10.2019 | Dr. Michael Borchard Baurecht, Unternehmensrecht Gewährleistungsrechte sichern – Bauunternehmer muss Baumaterial untersuchen und Mängel rechtzeitig rügen! Artikel vom 09.10.2019 | Johannes Grote Immobilienrecht Die kurzfristige Untervermietung – eine ordnungswidrige Wohnraumzweckentfremdung Artikel vom 05.09.2019 | Johannes Grote Arbeitsrecht Telefonische Erreichbarkeit ist keine Rufbereitschaft Artikel vom 21.08.2019 | Ralf Regel Arbeitsrecht Über die Verwertbarkeit von Kündigungsgründen in einem Kündigungsschutzverfahren, die der Arbeitgeber durch Auswertung privater E-Mails des Arbeitnehmers gewonnen hat. Ohne genügende Gründe bleibt das Postgeheimnis des Arbeitnehmers bestehen. Artikel vom 20.08.2019 | Ralf Regel Familienrecht Bundesregierung will Verpflichtung zum Elternunterhalt ändern Artikel vom 20.08.2019 | Maike Kogeler Arbeitsrecht Kein Verfall des Urlaubsanspruchs durch Gewährung von Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit Artikel vom 19.08.2019 | Ralf Regel Arbeitsrecht Urlaubsabgeltung bei Tod eines Arbeitnehmers bei bestehendem Arbeitsverhältnis Artikel vom 19.08.2019 | Ralf Regel Bau- und Architektenrecht EuGH kippt die HOAI Artikel vom 31.07.2019 | Dr. Michael Borchard Zivilrecht Pfändungsfreigrenzen mit Wirkung zum 01.07.2019 angehoben! Artikel vom 23.07.2019 | Hanno Stangier Unternehmensrecht Don't call me up – Unternehmer müssen nicht per Telefon erreichbar sein Artikel vom 15.07.2019 | Johannes Grote Familienrecht Höheres Kindergeld ab Juli 2019 Artikel vom 01.07.2019 | Maike Kogeler Unternehmensrecht Recht ähnlich – zum Geschmacksmusterschutz des Porsche 911 Artikel vom 27.06.2019 | Johannes Grote Familienrecht EU-Güterrechtsverordnungen 2019 Artikel vom 13.06.2019 | Claudia Peuker Wirtschaftsrecht Verbesserter Schutz von Geschäftsgeheimnissen Artikel vom 12.06.2019 | Hanno Stangier Unternehmensrecht Verbot von Schleichwerbung zum Zweiten – Sind Produktpostings auf Plattformen wie Instagram doch nicht immer kennzeichnungspflichtige Werbung? Artikel vom 20.05.2019 | Johannes Grote Mietrecht Betriebskosten: Vereinbarung einer Verwaltungskostenpauschale ist unwirksam! Artikel vom 09.05.2019 | Sonja Borchard Unternehmensrecht Fälligkeit der Vergütung – nach dem Willen des Auftraggebers? Artikel vom 17.04.2019 | Johannes Grote IT- & Internetrecht Amazon kann Drittanbietern untersagen, auf seiner Plattform mit gekauften Kundenbewertungen zu werben. Artikel vom 01.04.2019 | Hanno Stangier IT- & Internetrecht Verbot von Schleichwerbung in sozialen Medien durch so genanntes „Taggen“ von Fotos ohne Werbekennzeichnung. Zur Entscheidung des LG Karlsruhe vom 21.03.2019 Artikel vom 27.03.2019 | Hanno Stangier Unternehmensrecht Unberechtigte Mängelrüge – das Risiko des Auftragnehmers? Artikel vom 26.03.2019 | Johannes Grote Architektenrecht Steht die Verordnung über die Honorare für Architekten- und Ingenieurleistungen (HOAI) im Widerspruch zum Europarecht? Artikel vom 14.03.2019 | Dr. Michael Borchard Familienrecht WhatsApp – Familienkreis als beleidungsfreie Sphäre Artikel vom 12.03.2019 | Maike Kogeler Zivilrecht Kann ein Parkplatzbetreiber vom Fahrzeughalter eine Strafe verlangen, auch wenn der Halter das Fahrzeug nicht selbst geparkt hat? Artikel vom 25.02.2019 | Lukas Maxa Markenrecht Bundesweit trat am 14. Januar 2019 das Markenrechtsmodernisierungsgesetz (MaMOG) in Kraft. Artikel vom 04.02.2019 | Lukas Maxa Betreuungsrecht Wirksamkeit einer Patientenverfügung zum Abbruch von lebenserhaltenden Maßnahmen Artikel vom 04.02.2019 | Hanno Stangier Arbeitsrecht Das neue Gesetz zur Brückenteilzeit – Ein Überblick Artikel vom 02.01.2019 | Ralf Regel Arbeitsrecht Was lange währt…. Artikel vom 02.01.2019 | Ralf Regel Familienrecht Die neue Düsseldorfer Tabelle Artikel vom 02.01.2019 | Maike Kogeler Öffentliches Baurecht, Baunachbarrecht, Verwaltungsrecht Entscheidung Verwaltungsgericht Mainz vom 25.04.2018 (AZ: 3 K 289/17.MZ): Keine Störung des Wohnens am Ortsrand durch einen Pferdestall im Außenbereich Artikel vom 29.05.2018 | SRB Öffentliches Baurecht Urteil des VGH München zur Reichweite der Regelungsermächtigung von § 1 Abs. 10 Baunutzungsverordnung Artikel vom 08.01.2018 | SRB Familienrecht Neue Düsseldorfer Tabelle ab dem 01.01.2018 Artikel vom 22.12.2017 | Maike Kogeler Arbeitsrecht Beendigung der Entgeltfortzahlung nach Auslaufen der Sechs-Wochen-Frist trotz neuer Erstbescheinigung Artikel vom 01.12.2017 | Ralf Regel Öffentliches Baurecht Zulassung eines Außenbereichsvorhabens bei Vorbelastung durch Gerüche Artikel vom 24.11.2017 | SRB Arbeitsrecht Ablehnung eines Teilzeitbegehrens durch den Arbeitgeber Artikel vom 21.11.2017 | Ralf Regel Arbeitsrecht Mindestlohnwirksamkeit von Sonn- und Feiertagszuschlägen Artikel vom 13.11.2017 | Ralf Regel Arbeitsrecht Verbindlichkeit einer unbilligen Weisung zur Versetzung Artikel vom 06.11.2017 | Ralf Regel Aktuelles SRB zieht um Artikel vom 02.11.2017 | SRB Familienrecht Scheidungskosten nicht mehr von der Steuer absetzbar Artikel vom 24.08.2017 | Maike Kogeler Verwaltungsrecht Bundesverwaltungsgericht: Fahrerlaubnisentziehung nach dem Fahreignungs-Bewertungssystem Artikel vom 07.08.2017 | SRB Vertragsrecht SWR3-Experteninterview mit Hanno Stangier: „Darum sollten Sie immer die AGB lesen“ Artikel vom 19.07.2017 | Hanno Stangier Baurecht Das neue Bauvertragsrecht schreitet weiter voran und soll 2018 in Kraft treten Artikel vom 10.07.2017 | SRB Familienrecht Unterhaltsvorschuss bis 18 Jahre: Ab Juli 2017 Antrag stellen Artikel vom 29.06.2017 | Maike Kogeler Baurecht Das Märchen von der nicht prüfbaren Schlussrechnung! 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Die Datenschutzbehörden prüfen streng! Artikel vom 04.10.2016 | SRB

BGH kippt den Widerrufsjoker des EuGHs

Mit seinem vielfach als sensationell erachteten Urteil vom 26.03.2020 (Az.: C-66/19) entschied der Europäische Gerichtshof, dass Formulierungen in den Widerrufsbelehrungen von Verbraucherkrediten, die von vielen deutschen Kreditinstituten zwischen dem 11.06.2010 und dem 20.03.2016 vergeben wurden, nicht mit dem europäischen Recht vereinbar sind. Viele Verbraucher hofften auf einen Widerruf ihrer Kredite.

Diese Hoffnung wurde schnell enttäuscht. Gerade einmal fünf Tage später, am 31. März 2020, hat der Bundesgerichtshof dem sogenannten „Widerrufsjoker“ einen Riegel vorgeschoben (BGH, Beschluss XI ZR 581/18 und BGH, Beschluss XI ZR 198/19)

1. Urteil des EuGHs
Hintergrund des EuGH Urteils ist ein anhängiger Rechtsstreit vor dem LG Saarbrücken (LG Saarbrücken, 17.01.2019- 1 O 164/18). 2012 hatte ein Verbraucher ein Immobiliendarlehen bei einer Sparkasse über 100.000 Euro mit einem bis ins Jahr 2021 gebundenen Sollzinssatz aufgenommen. Über den im Jahr 2016 erfolgten Widerruf musste das LG Saarbrücken entscheiden.

Die Vorlage beim EuGH sollte vor allem die Frage beantworten, ob die Widerrufsinformation klar und prägnant formuliert sei. Streitpunkt ist, ob der sogenannte Kaskadenverweis den europarechtlichen Anforderungen genügt.

In einem solchen Verweis werden hinsichtlich des Beginns der Widerrufsfrist die für den Fristablauf zu erteilenden Pflichtangaben nicht selbst vollständig benannt, sondern auf nationale Vorschriften (§ 492 Abs. 2 BGB) verwiesen, die ihrerseits auf andere nationale Vorschriften (Art. 247 §§ 6-13 EGBGB) verweisen. Der Kaskadenverweis findet sich in amtlichen Mustertexten, die der deutsche Gesetzgeber den Kreditinstituten für Verbraucherkredite ab Juni 2010 zur Verfügung gestellt hat und welche bei ordnungsgemäßer Verwendung nach Art. 247 § 6 EGBGB zu einer Gesetzlichkeitsfiktion führen. Laut BGH ist bei der Verwendung des Mustertextes ohne inhaltliche Änderung die Belehrung nicht fehlerhaft. Vielmehr informiere er klar und verständlich über den Beginn der Widerrufsfrist.
Der Passus lautet:
„Die Frist beginnt nach Vertragsschluss, aber erst, nachdem der Darlehensnehmer alle Pflichtangaben nach § 492 Abs. 2 BGB (z. B. Angaben zur Art des Darlehens, (...) zum Nettodarlehensbetrag, (...) zur Vertragslaufzeit (...) erhalten hat.“

Nach Europarecht muss eine Widerrufsbelehrung in klarer und prägnanter Form angeben, ob ein Widerrufsrecht besteht und wann die Widerrufsfrist zu laufen beginnt. Andernfalls würde die Wirksamkeit des Widerrufsrechts ernsthaft geschwächt.

Der Kaskadenverweis hat den Ansprüchen des EuGHs nicht standgehalten. Damit entschied er konträr zur Entscheidung des BGH aus dem Jahr 2016. Nach der Auffassung des EuGHs können Verbraucher weder den Umfang ihrer vertraglichen Verpflichtungen bestimmen noch überprüfen, ob der geschlossene Vertrag alle erforderlichen Angaben enthält. Vor allem aber könne der Verbraucher nicht überprüfen, ob die Widerrufsfrist bereits zu laufen begonnen hat. Es ist ihm nicht zuzumuten, dass er sich mehrere Gesetze zur Hand nimmt, um zu prüfen, ob alle notwenigen Pflichtangaben im vorliegenden Vertrag erfüllt sind. Das bedeutet in der Quintessenz: der EuGH hält die Kaskadenverweisung in der Widerrufsbelehrung für unzulässig. Die Verweisung sei weder klar noch prägnant. Das Gericht geht davon aus, dass für Verbraucher das Widerrufsrecht für Darlehensverträge, die nach dem 10.06.2010 geschlossen wurden, weiterhin bestünde, da der Lauf der Widerrufsfrist nicht begonnen habe. Der Kaskadenverweis verstoße somit gegen die in 2010 in Kraft getretene EU- Richtlinie 2008/48 über Verbrauchkreditverträge.

2. Beschlüsse des BGH
Der BGH erteilte dem Urteil des EuGHs mit den Beschlüssen vom 31.03.2020 eine deutliche Absage. In dem ersten Beschluss (BGH, Beschluss XI ZR 581/18) weist der BGH daraufhin, dass die EU- Verbraucherschutzrichtlinie nach ihrem Art. 2 Abs. 2 Buchst. a und c ohnehin nicht für die grundpfandrechtlich abgesicherten Immobilienkredite gelte. Der deutsche Gesetzgeber habe diese Richtlinie auch nicht für das Immobiliendarlehen als maßgeblich erachtet. Weiter falle die Entscheidung wie nationale Vorschriften auszulegen seien, die nicht in den Anwendungsbereich des Unionsrechts fallen, und ob ihre Auslegung durch das vorlegende Gericht richtig sei, in die ausschließliche Zuständigkeit der nationalen Gerichte und lieg nicht beim EuGH. Der BGH nimmt Bezug auf seine bestehende Rechtsprechung aus dem Jahr 2016, wonach der Kaskadenverweis den Verbraucher klar und verständlich über den Beginn der Widerrufsfrist informiere.

In seinem zweiten Beschluss vom gleichen Tag (BGH, Beschluss XI ZR 198/19) geht der BGH auf die Gesetzlichkeitsfikiton des amtlichen Mustertextes mit dem Kaskadenverweis ein. Dem BGH zufolge hätten sich die Banken an die Vorgaben des deutschen Gesetzgebers gehalten, indem sie die Kunden wirksam über ihr Widerrufsrecht belehrt haben- unabhängig davon, ob das nationale Recht den Vorgaben der Verbaucherkreditrichtlinie genüge oder nicht. Deutschen Gerichten sei es angesichts der eindeutigen Rechtslage, die in Deutschland aufgrund der Musterwiderrufsinformation herrsche, verwehrt, eine sich an den Vorgaben des EU- Rechts orientierende richtlinienkonforme Auslegung „contra legem“ vorzunehmen. Der BGH zitiert das Bundesverfassungsgericht:

„Die Beachtung des klar erkennbaren Willens des Gesetzgebers ist Ausdruck demokratischer Verfassungsstaatlichkeit. Dies trägt dem Grundsatz der Gewaltenteilung (Art. 20 Abs. 2 Satz 2 GG) Rechnung. Das Gesetz bezieht seine Geltungskraft aus der demokratischen Legitimation des Gesetzgebers, dessen artikulierter Wille den Inhalt des Gesetzes daher mitbestimmt. Der klar erkennbare Wille des Gesetzgebers darf nicht übergangen oder verfälscht werden.“
Hieran ändere auch das Urteil des EuGHs nichts.

3. Ausnahmen
Ein noch bestehendes Widerrufsrecht kann nur dann in Betracht kommen, wenn das Kreditinstitut den amtlichen Mustertext eigenständig inhaltlich verändert hat und hierbei Fehler unterlaufen sind. Dann entfällt die Gesetzlichkeitsfiktion des Mustertextes.

4. Fazit
Der hoch brisante Widerrufsjoker wurde vom BGH kassiert. Der BGH hat den Kaskadenverweis ein weiteres Mal als fehlerfrei bestätigt.

Allerdings wurde bereits von den Anwälten eines betroffenen Kreditnehmers die Erhebung einer Verfassungsbeschwerde gegen den Beschluss des BGH angekündigt. Ebenso wird spekuliert, ob die EU gegen die Bundesrepublik Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten könnte, so dass Amtshaftungsansprüche gegen die BRD gelten gemacht werden könnten.

Solange nicht anderweitig entschieden wurde, genießt der Kaskadenverweis den Schutz des BGH und Kreditnehmer können somit aus dem Urteil des EuGH in Deutschland keine Vorteile ziehen.

Birte Bremer, Rechtsreferendarin

Dr. Michael Borchard
Rechtsanwalt

Verstärkung gesucht – Rechtsanwalt (m/w/d)